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22.03.2018

Das Kickehäuschen

Am 7.3.2018 fand das monatliche Treffen des BHV im „Kickehäuschen“ statt.
Bürgermeister Urbach war zu einer Befragung betreffs aktueller Probleme in Refrath gekommen. Der Wirt Evangelos Michail teilte uns mit, dass ab dem nächsten Tag (8.3.)
das Restaurant geschlossen sei. Der Pachtvertrag läuft Ende September ab und die Eigentümerin will wieder mehr Pacht haben. Sie hat im Laufe seiner Pachtzeit (sieben Jahre) immer mehr verlangt. Das war nun nicht mehr zu stemmen.
Es steht zu befürchten, dass die Sache Methode hat. Wenn kein Pächter mehr bereit ist, diese Summe aufzubringen, kann die Eigentümerin das Anwesen als Bauland verkaufen oder bebauen. Es wiederholt sich die Situation von 2011 als der damalige Pächter auch aufgab und Haus monatelang leer stand.
Der Bürgermeister wurde gefragt, welche Möglichkeiten des Bestandschutzes die Stadt hat ( Prof. Werling arbeitet zz. am Denkmalpflegeplan für die Stadt, gerade auch für Refrath). Er hat das „Kickehäuschen“ als „erhaltenswert“ eingestuft und die Obere Denkmalbehörde in Brauweiler informiert. Unsererseits erhält die Behörde Unterlagen zur Geschichte des Hause (Bd.2).
Woher kommt der merkwürdige Namen? Es gibt zwei mögliche Erklärungen: Zum einen könnte das mundartliche „kicken“ für „gucken“ gemeint sein, zum anderen ist der Frosch in der Mundart ein „Kicker“. Für die erste Erklärung spricht, dass dort auf einer gewissen Anhöhe ein Wachtposten mit guter Fernsicht in die Heidelandschaft Ausschau hielt, etwa ein Vorposten der Bensberger Burg. Im Zweiten Weltkrieg stand dort übrigens eine Scheinwerferbatterie, die den Flakgeschützen der Umgebung die nächtlich anfliegenden Bomber zeigen sollte.
Erwähnt wird die Kicke bereits im 13. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Kaulengut „an der Kicken uff der Heiden“. Vor dem Ersten Weltkrieg begann Gerhard Neu dort am Waldrand ein Ausflugslokal aufzubauen, das zu einem Refrather Traditionslokal wurde. Als Gerhard Neu 1921 immer noch nach einem passenden Namen für sein Gasthaus suchte, war wieder einmal eine ganze Schulklasse zu ihm heraufgewandert, dieses Mal aus Köln-Klettenberg mit dem Schulleiter Heimbach. Er beantwortete die Frage mit der Erklärung: „Nennen Sie es „Kickehäuschen“, denn es liegt auf der „Kicke“. Der Namen ist einprägsam, auch Kinder können sich ihn gut merken.“
Begonnen hatte alles mit der Hochzeit Gerhard Neus mit Gertrud Müller 1908, deren Elternhaus
am heutigen Willweg hinter dem Hof von Schneppensiefens stand. Bereits 1910 hat er auf der Ecke des Grundstückes „Kicke/Auf der Kaule“ mit seiner Frau eine „Trinkhalle“ eröffnet, um Anteil zu haben an dem wachsenden Wanderaufkommen an den Wochenenden. Am 1. September 1913 legte er dann den Grundstein für das heutige „Kickehäuschen“, das zz. noch „Zwölf Apostel im Kickehäuschen“ heißt. Es war zunächst eine Kaffeewirtschaft wie andere auch. Neu erhielt 1920 die Konzession für den Ausschank auch alkoholischer Getränke, die 1948 erneuert wurde. Zum Wald hin entstand ein lauschiger „Biergarten“ und für die Kinder gab es ein kleines Karussell und eine große Schaukel. Viele Ortsvereine nutzten die Räumlichkeiten des Kickehäuschens, vor allem nach dem Anbau des Saales in den Jahren 1927/1928, so der Gartenbauverein, das Tambourkorps und verschiedene Chöre. Auch Maifeierlichkeiten fanden hier statt. Die Innenausstattung wurde ständig verbessert, so durch die Einrichtung eines Jagdzimmers für die Förster der umgebenden Wälder. Hier fanden häufig Verhandlungen über den Verkauf des Holzeinschlages statt. Im Zweiten Weltkrieg lag in der Nähe eine Scheinwerferbatterie mit der entsprechenden Bedienungsmannschaft. Sie sollten nächtlich anfliegende feindliche Bomber für die Flakstellungen sichtbar machen. Im Gegensatz zu den Cafes auf der Brandroster ist im Kickehäuschen nichts von deutscher Einquartierung bekannt, wohl aber kurzfristig von amerikanischer im April 1945. Das Ehepaar Neu hatte vier Kinder, die Söhne Theodor, Matthias und Gerhard und die Tochter Margarete. 1949 im Alter von siebzig Jahren übergab Gerhard Neu die Gastwirtschaft an seinen Sohn Gerhard Neu. Sohn Gerhard leitete den Betrieb bis 1983 selbst. Er verkaufte an Richard Arzt, den Inhaber des „Tannenhofes“ auf der Lustheide, der es verpachtete. Als er 1988 starb, erbte Tochter Inge das „Kickehäuschen“, die es bis heute besitzt. Auch sie verpachtete immer wieder neu. Nun ist von Verkauf die Rede, was in der gegenwärtigen Bausituation in Refrath Befürchtungen erweckt.

Refrath, 15.3.2018 H.P.Müller Näheres in Bd.2 von „Refrath gestern und heute“



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